{"id":477,"date":"2020-02-10T10:40:15","date_gmt":"2020-02-10T10:40:15","guid":{"rendered":"http:\/\/faust-peters.de\/?page_id=477"},"modified":"2020-02-10T10:43:53","modified_gmt":"2020-02-10T10:43:53","slug":"fortune-obscure","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/faust-peters.de\/?page_id=477","title":{"rendered":"Fortune Obscure"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Die Schicksalsballaden des Codex Chantilly &#8211; H\u00f6fische Musik aus dem sp\u00e4ten Mittelalters<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">H\u00e9, tres doulz roussignol &#8211; Borlet<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">O bonne douce Franse &#8211; Anonym<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Se Geneive, Tristan &#8211; Cunellier<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Plus ne put musique &#8211; Anonym<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">H\u00e9las, je voy mon cuer &#8211; Solage<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">La harpe de mellodie\u00a0 Jacob de Senleches<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Passerose de beaut\u00e9 &#8211; Trebor<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Puis que je sui fumeux &#8211; Johannes Symonis Hasprois<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Ung Lion say &#8211; Anonym<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Un crible &#8211; A Dieu vos comant &#8211; Anonym<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Je ne puis avoir plaisir &#8211; Anonym<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Se Zephirus &#8211; Se Jupiter &#8211; Grimace<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Belle, bonne, sage &#8211; Baude Cordier<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Tout par compas &#8211; Baude Cordier<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Toute clert\u00e9 &#8211; Anonym<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Ma douce amour &#8211; Johannes Symonis Hasprois<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">De ce que foul pense &#8211; Pierre Molins<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Des que buisson &#8211; Grimace<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Die CD erscheint am 6.3.2020 beim Label conditura records, LC 30277. Sie kann zum Preis von 22 \u20ac (incl. Versand) direkt \u00fcber <a href=\"mailto:kontakt@faust-peters.de\">kontakt@faust-peters.de<\/a> bestellt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\"><em>\u201eAch, ich sehe mein Herz an sein Ende gelangen<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\"><em>wegen seiner Sehnsucht nach dem Geschenk der Liebe\u201c<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\"><em>Eine Ann\u00e4herung an den Codex Chantilly<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Viel wurde in den vergangenen Jahren geforscht und geschrieben \u00fcber diese Sammlung sp\u00e4tmittelalterlicher Musik. Man spekulierte dar\u00fcber, wessen H\u00e4nde an der Ausfertigung des pr\u00e4chtigen Manuskrips beteiligt waren und wer den Auftrag zur Zusammenstellung dieser Musik gab. Man fragte sich, ob Baude Cordier selbst Ver\u00e4nderungen an der Sammlung vornahm &#8211; der Komponist, dessen zwei Werke aufgrund ihrer ungew\u00f6hnlichen graphischen Notation weltber\u00fchmt wurden. Musikwissenschaftler r\u00e4tselten dar\u00fcber, warum die ersten Seiten dieser Sammlung fehlen und welche Personen sich hinter manch einem Komponistennamen verbergen. Diverse Anschauungen dar\u00fcber kursieren. Eindeutige Antworten gibt es nicht.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Unser Zugang ist ein sehr pers\u00f6nlicher, wir wollen beschreiben, wie diese Handschrift uns in den vergangenen Jahren begleitet hat, wie sie uns inspiriert und gefordert hat.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Besch\u00e4ftigt man sich mit der Musik des ausgehenden Mittelalters, dann begegnet man fast unvermeidlich immer wieder Werken aus dem Codex Chantilly. Diese Sammlung von \u00fcber 100 St\u00fccken verschiedenster Komponisten ist ein grandioses Beispiel f\u00fcr die unglaublich vertrackte mehrstimmige Tonkunst Ars Subtilior, die in ihrer rhythmischen Komplexit\u00e4t viele Werke davor und bis hinein ins 20. Jahrhundert in den Schatten stellt. Unter den Auftraggebern f\u00fcr diese Werke waren sowohl franz\u00f6sische K\u00f6nige und F\u00fcrsten als auch die in Avignon residierenden P\u00e4pste und Gegenp\u00e4pste.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Einige dieser St\u00fccke begleiten uns seit Jahren und haben von ihrer Faszination auf uns seither nichts eingeb\u00fc\u00dft. Und sie sorgen auch nach etlichen Auff\u00fchrungen in Konzerten immer wieder f\u00fcr Diskussionen zwischen uns, fordern neue Ideen und wollen noch ver\u00e4ndert werden. Das anonyme St\u00fcck ung lion say beispielsweise erhielt von verschiedenen Mittelalterexperten die unterschiedlichsten Vorschl\u00e4ge hinsichtlich der Vorzeichen, die in dieser Epoche nur teilweise zwingend vorgeschrieben sind. Auch unsere Version mag hier als ein weiterer Vorschlag gelten, der keinen Anspruch auf alleinige Richtigkeit erhebt und m\u00f6glicherweise auch bei uns weiterhin ver\u00e4ndert wird. Die Musikwissenschaft nennt das die musica ficta causa pulchritudinis, eine ver\u00e4nderte Musik um der Sch\u00f6nheit willen. Beinahe jede Musik aus dieser Zeit erfordert derartige Tonh\u00f6henver\u00e4nderungen, eine Einladung zu eigenen L\u00f6sungen in dieser F\u00fclle findet man sonst so h\u00e4ufig allerdings nicht.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Der offensichtliche Wettstreit der Komponisten um die komplexeste, subtilste Musik bedeutet nach unserer \u00dcberzeugung nicht, dass die Musik theoretisch, verkopft oder errechnet klingen soll, so wie das einige Musikwissenschaftler noch vor etlichen Jahren glaubten. Mancher vertrat die Meinung, die im Codex vertretenen St\u00fccke seien unspielbar, also ein reines Gedankenkonstrukt. Uns hingegen interessiert besonders der gesangliche Aspekt vieler Werke und fordert uns dazu heraus, L\u00f6sungen zu finden, die in Besetzung und Tonlage unserem Ensemble entsprechen und die auch das Publikum ber\u00fchren. \u201eSehr hat die S\u00fc\u00dfe, Freundliche (Musik) gelitten&#8230;\u201c beschwert sich der Text von Plus ne put musique \u00fcber einf\u00e4ltige, simple Kompositionen und fordert gerade auch in intelligenter, komplexer Musik die suavitas, die S\u00fc\u00dfe.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Wir haben hier und da im Stil der Zeit eigene Stimmen hinzugef\u00fcgt, so bei H\u00e9las, je voy mon cuer ein eigenes Triplum (zu einigen St\u00fccken existieren in verschiedenen Quellen verschiedene Tripla) oder eine eigene Diminution zu Belle Bonne Sage. Bei De ce que foul pense konnten wir der Versuchung nicht widerstehen, eine Diminution aus dem ebenfalls ber\u00fchmten Codex Faenza an Pierre de Molins Ballade anzuschlie\u00dfen, k\u00f6nnen Musiker doch in dieser Quelle dankbar Beispiele virtuoser Diminutionspraxis des ausgehenden Mittelalters studieren.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Beim Lesen der Texte unserer St\u00fcckauswahl waren wir besonders fasziniert von den Werken, in denen die blinde Schicksalsg\u00f6ttin Fortuna ihre Hand im Spiel hat: Wie immer in dieser Zeit dreht sie ihr Rad stets nach unten und bereitet dem ungl\u00fccklich Liebenden bitteren Schmerz: \u201eHe! Fortuna! Du machst Dich verhasst (\u2026) durch Dein Rad, das das Gute zugrunde gehen l\u00e4sst und leichte Freude und Spiel in Tr\u00e4nen verwandelt\u201c. Obwohl man \u00e4hnlichen Texten \u00fcber die unerf\u00fcllte Liebe im ausgehenden Mittelalter auf Schritt und Tritt begegnet, haben wir diesen anklagenden Balladen und Virelays solche \u00fcber die gl\u00fcckliche Liebe gegen\u00fcbergestellt. Etliche Male wiederum entschieden wir uns f\u00fcr instrumentale Versionen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Es ist sicher kein Zufall, dass in den vergangenen Jahren mehrere CDs mit Musik ausschlie\u00dflich aus dem Codex Chantilly erschienen. Und es spricht f\u00fcr die au\u00dferordentliche Qualit\u00e4t der Kompositionen, dass es hier \u00fcberraschend wenige \u00dcberschneidungen in der Werkauswahl gibt. Doch selbst bei gleichen Titeln begegnet man bei jedem Ensemble einer eigenen Auslegung desselben Notentextes. Und so m\u00f6chte auch Fortuna Canta eine pers\u00f6nliche Interpretation eines Ausschnittes aus dieser einmaligen Handschrift beisteuern und damit zum Verst\u00e4ndnis und Genuss dieser Musik beitragen, sei sie nun r\u00e4tselhaft, kraftvoll, schillernd, liebenswert, verzweifelt oder beschwingt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Holger Faust-Peters<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schicksalsballaden des Codex Chantilly &#8211; H\u00f6fische Musik aus dem sp\u00e4ten Mittelalters H\u00e9, tres doulz roussignol &#8211; Borlet O bonne douce Franse &#8211; Anonym Se Geneive, Tristan &#8211; Cunellier Plus ne put musique &#8211; Anonym H\u00e9las, je voy mon cuer &#8211; Solage La harpe de mellodie\u00a0 Jacob de Senleches Passerose de beaut\u00e9 &#8211; Trebor Puis &hellip; <a href=\"https:\/\/faust-peters.de\/?page_id=477\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Fortune Obscure<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/faust-peters.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/477"}],"collection":[{"href":"https:\/\/faust-peters.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/faust-peters.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/faust-peters.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/faust-peters.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=477"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/faust-peters.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/477\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":482,"href":"https:\/\/faust-peters.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/477\/revisions\/482"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/faust-peters.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}