{"id":131,"date":"2017-11-03T09:15:15","date_gmt":"2017-11-03T09:15:15","guid":{"rendered":"http:\/\/faust-peters.de\/?page_id=131"},"modified":"2018-01-06T16:01:58","modified_gmt":"2018-01-06T16:01:58","slug":"fortuna-canta","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/faust-peters.de\/?page_id=131","title":{"rendered":"Fortuna Canta"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif; font-size: 24pt;\">Musik im ausgehenden Mittelalter<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif;\">Francesco Landini oder Guillaume de Machaut sind nur die bekanntesten Vertreter jener Kunstmusik, die uns in ihrer subtilen Kraft, Vielfarbigkeit und Komplexit\u00e4t eine faszinierende Welt von lyrischem Feinsinn und musikalischer Finesse er\u00f6ffnet.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif;\">Weit entfernt vom Gregorianischen Choral oder der Spielmannsmusik entfaltet sich in den italienisch- oder franz\u00f6sisch- dominierten Macht- und Kulturzentren die sogenannte <em>Trecento<\/em>&#8211; bzw. <em>Ars Nova<\/em>&#8211; Musik.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif;\">Reizvoll f\u00fcr heutige Ohren wieder zu entdecken ist das zu jener Zeit g\u00fcltige pythagor\u00e4ische Stimmungssystem, ebenso wie die komplexe Rhythmik und das schnelle, diminuierte Spiel, das so virtuos ist, dass neue Notationsformen daf\u00fcr entwickelt werden mussten.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif;\"><strong><em>Fortuna Canta <\/em><\/strong>widmet sich dieser erlesenen Musik und gibt mit stilistischem Feingef\u00fchl Einblick in die verschiedenen Str\u00f6mungen dieser Epoche. Auf authentischen Instrumenten erklingen vertonte Erz\u00e4hlungen, die in der Symbolik ihrer Zeit verschl\u00fcsselt sind. Nicht selten spielt in diesen Texten die blinde Schicksalsg\u00f6ttin <em>Fortuna <\/em>eine zentrale Rolle.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif;\">Im deutschen Konzertwesen gilt Fortuna Canta als eines der f\u00fchrenden Ensembles f\u00fcr diese spezielle Musik.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif;\">Die vier Ensemblemitglieder erhielten ihre musikalische Ausbildung bei Spezialisten f\u00fcr Alte Musik. Ihr besonderes Interesse f\u00fcr das Mittelalter f\u00fchrte sie 1997 zusammen. Wichtige Impulse erhielten sie auf diesem Gebiet u.a. von Pedro Memelsdorff, Maurice van Lieshout, Rebecca Stewart, Michael Posch und Randall Cook.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif;\">Besetzung:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif;\"><strong>Stefanie Brijoux<\/strong>: Sopran<br \/>\n<strong>Katrin Krau\u00df<\/strong>: Blockfl\u00f6te<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: georgia,palatino,serif;\"><strong>Holger Faust-Peters<\/strong>: Fidel, Organetto (Renaissancegambe)<br \/>\n<strong>Ute Faust<\/strong>, Fidel und Blockfl\u00f6te (Renaissancegambe)<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 24pt;\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\">Programme<\/span><\/span><\/p>\n<p><strong>Fortune obscure &#8211; Die Schicksalsballaden des Codex Chantilly<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-274 alignright\" src=\"https:\/\/faust-peters.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/chantillly.jpg\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"236\" \/>\u201eAlle Klarheit ist mir verdunkelt, alle Sch\u00f6nheit scheint mir h\u00e4sslich und alle Freude stimmt mich traurig.\u201c So beginnt der Text einer der zahlreichen ballades, in denen die blinde Schicksalsg\u00f6ttin Fortuna ihr Rad allzu oft so verh\u00e4ngnisvoll nach unten dreht, dass dem machtlosen Erdenmenschen nichts bleibt als die bittere Anklage. In Allegorien und fiktiven Welten erz\u00e4hlen Dichter und Musiker vom Denken und F\u00fchlen der gebildeten Hofmenschen des sp\u00e4ten 14. Jahrhunderts und schaffen mit der Ars subtilior eine mehrstimmige Kunstmusik, die an Komplexit\u00e4t und Raffinesse ihresgleichen sucht.<\/p>\n<p><strong>J&#8217;ay pris amour &#8211; Burgundische Chansons<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-273 alignright\" src=\"https:\/\/faust-peters.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/burgund.jpg\" alt=\"\" width=\"173\" height=\"260\" \/>Die musikgeschichtliche Bedeutung Burgunds liegt haups\u00e4chlich in seiner Hofkapelle begr\u00fcndet. Gegr\u00fcndet 1384 waren in ihr bis zu 28 Musiker angestellt; damit war sie sogar gr\u00f6\u00dfer als die Hofkapelle des K\u00f6nigs von Frankreich oder des Papstes in Avignon. Fast alle Komponisten dieses Programmes waren Mitglieder der Kapelle und standen dementsprechend in engen Kontakt miteinander. Die Aufgaben der S\u00e4nger in der Kapelle waren der Gesang in den t\u00e4glichen Messen und Stundengebeten, besondere mehrstimmige Musik an besonderen Hochfesten und die Gestaltung der zahlreichen Feste, vor allem letztere gemeinsam mit den Instrumentalisten.<\/p>\n<p><strong>musicam hab ich allzeit lieb gehabt<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-276 alignright\" src=\"https:\/\/faust-peters.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/luther.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"269\" \/>Martin Luther, Theologe und \u00dcbersetzer der Heiligen Schrift, war auch als Dichter, Komponist und S\u00e4nger bekannt. Seine Musik und die seiner Anh\u00e4nger soll in diesem Konzertprogramm Geh\u00f6r finden. Dabei beschr\u00e4nken wir uns nicht auf die geistlichen Chor\u00e4le, sondern beziehen Lieder aus allen Lebensbereichen ein, die den Menschen der Renaissance- Zeit eindr\u00fccklich beschreiben. Darum stehen protestantische Lieder neben z\u00fcnftigen Trinkliedern, Jahreszeitenlieder, die von der Not im Winter berichten, neben zarten Liebesliedern.<\/p>\n<p><strong>O felix templum jubila &#8211; eine Messe um 1400<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-277 alignright\" src=\"https:\/\/faust-peters.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/messe.jpg\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"241\" \/>Hier widmet sich Fortuna Canta der geistlichen Musik des sp\u00e4ten Mittelalters. In einer Zeit, in der der Glaube ein allt\u00e4glicher Bestandteil des Lebens ist und die Kirche einen betr\u00e4chtlichen Machtfaktor in der Gesellschaft innehat, verwundert es nicht, wenn die &#8222;Avantgarde-Komponisten&#8220; der Zeit wie Matteo da Perugia, Johannes Ciconia oder Paolo da Firenze neben weltlicher auch geistliche Musik schreiben. Sie lassen aber auch hier die Tradition des gregorianischen Chorals weit hinter sich und adaptieren ihren neuen weltlichen Musikstil ohne weiteres auf die geistliche Musik. So kann ein Credo genauso subtil klingen wie eine weltliche Ballata und der Reiz der Mehrstimmigkeit erf\u00fcllt von da an auch die Kirchenr\u00e4ume des aufstrebenden Italien.<br \/>\nMit diesem Programm stellt Fortuna Canta ausgew\u00e4hlte Messteile aus der Hand verschiedener vorwiegend italienischer Komponisten vor. Erg\u00e4nzt durch instrumentale Teile und einige geistliche Werke au\u00dferhalb der Messvertonung entsteht ein kontemplatives Gesamtwerk von etwa einer Stunde Dauer.<\/p>\n<p><strong>Che cosa \u00e8 quest&#8217;amor<\/strong> &#8211; Liebe in einem Kaleidoskop weltlicher Musik an italienischen und franz\u00f6sischen F\u00fcrstenh\u00f6fen.<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-275 alignright\" src=\"https:\/\/faust-peters.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/che-cosa.jpg\" alt=\"\" width=\"173\" height=\"204\" \/>In diesem Programm erklingen neben den wichtigsten Komponisten des 14. Jahrhunderts auch einige selten gespielte Werke. Das Programm f\u00fchrt durch die italienische Trecentomusik mit Balladen und Madrigalen von Francesco Landini, Paolo da Firenze, Matteo da Perusio u.a. Es zeigt auch in eindrucksvoller Weise, wie die Musiker dieser Zeit durch immer raffinierteres Verzieren vorgegebener Melodien ganz neue und hoch virtuose St\u00fccke entstehen lie\u00dfen. So werden aus dem ber\u00fchmten Codex Faenza Diminutionen von Jacopo da Bologna gespielt, ebenso aber auch eigene Diminutionen des Ensembles. Demgegen\u00fcber stehen Werke der \u201eArs subtilior\u201c, einem Stil aus Frankreich, bei dem die rhythmische Komplexit\u00e4t heutige Ohren \u00fcberrascht. Oftmals mit verschiedenen Taktarten in jeder Stimme und extrem verschobenen Bez\u00fcgen zwischen den Stimmen entsteht hier eine ungeheure Spannung, die im rhythmischen Bereich erst wieder im 20. Jahrhundert erreicht wird. Neben Guillaume de Machaut und Solage stehen in diesem Stil auch einige anonyme Komponisten aus dem Codex Chantilly auf dem Programm. Mit einigen St\u00fccken von Guillaume Dufay werden die letzten im Gestus noch mittelalterlichen St\u00fccke zu Geh\u00f6r gebracht; erste Floskeln, die die niederl\u00e4ndische Schule der fr\u00fchen Renaissancemusik vorbereiten, werden hier erkennbar.<\/p>\n<p><strong>Elissa, fahre fort<br \/>\n<\/strong>Lesung aus Boccaccios Decamerone und Musik aus dem Florenz des 14. Jahrhunderts<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-279 alignright\" src=\"https:\/\/faust-peters.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/220px-Andrea_del_Castagno_Giovanni_Boccaccio_c_1450-191x300.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/faust-peters.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/220px-Andrea_del_Castagno_Giovanni_Boccaccio_c_1450-191x300.jpg 191w, https:\/\/faust-peters.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/220px-Andrea_del_Castagno_Giovanni_Boccaccio_c_1450.jpg 220w\" sizes=\"(max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/>Norditalien um 1350. Die Pest verw\u00fcstet das Land, das niedere Volk wird durch Verschwendungssucht und Fehden von den herrschenden H\u00e4usern gepl\u00fcndert, das Schisma (Kirchenteilung) der r\u00f6misch-katholischen Kirche beraubt die Menschen ihrer kulturellen und geistigen Wurzeln. Der \u201eHerbst des Mittelalters\u201c (Huizinga) ist gekommen, und gleichzeitig erwachen durch Dichter wie Petrarca und Boccaccio die ersten blassen Farben der \u201eNeuzeit\u201c, der Renaissance.<br \/>\nIn dieses Spannungsfeld begibt sich Fortuna Canta gemeinsam mit dem Rezitator <strong>Heiko Daniels<\/strong>. Dieser liest Geschichten aus Boccaccios Hauptwerk \u201e<strong>Il Decamerone<\/strong>\u201c in einer deutschen \u00dcbersetzung; die Musik kommentiert und erg\u00e4nzt diese Geschichten mit Werken, die im unmittelbaren Umfeld Boccaccios entstanden sind. Es erklingt Musik von Francesco Landini,Bartolino da Padova, Lorenzo da Firenze und anderen. Hier wird die Poesie nicht nur musikalisch, sondern auch in der Originalsprache erfahrbar.<br \/>\nMusik: Francesco Landini, Paolo da Firenze, Jacopo da Bologna, Bartolino da Padova u.a.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik im ausgehenden Mittelalter &nbsp; Francesco Landini oder Guillaume de Machaut sind nur die bekanntesten Vertreter jener Kunstmusik, die uns in ihrer subtilen Kraft, Vielfarbigkeit und Komplexit\u00e4t eine faszinierende Welt von lyrischem Feinsinn und musikalischer Finesse er\u00f6ffnet. 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